Gymnasiasten der Carl-Burger-Schule besuchen Theaterprobe – Informativer Blick hinter die Kulissen der Burgfestspiele

Am 31.5.2017 wurde uns, dem Leistungskurs Deutsch BGyW 15-06/G15-04 der BBS Mayen von Frau Dr. Ising, die einmalige Möglichkeit geboten, eine Probe des Theaterstückes „Kabale und Liebe“ von Friedrich Schiller der Burgfestspiele Mayen zu besuchen. Herr Ris, der neue Intendant der Mayener Theaterfestspiele, welcher uns schon bereits am 21. März dieses Jahres in der Schule besuchte und uns von seiner Tätigkeit erzählte, empfing uns sehr freundlich vor der Genovevaburg. Der Regisseur, Rüdiger Pape, und seine Assistentin waren ebenfalls anwesend.  Die Schauspielerin Heike Trinker probte ihren Monolog in der Rolle der Lady Milford. Auffällig war, dass der Regisseur, für uns augenscheinlich, auf jedes Detail penibel achtete und sie sofort korrigierte, wenn ihm etwas von Grund auf nicht gefiel. Trotz allem behielt Frau Trinker ihren kreativen Freiraum und zeigte ihr Können, indem sie uns und dem Regisseur viele verschiedene Varianten des Monologs darbot. So schoss sie beispielsweise mit einem imaginären Bogen ins Publikum oder spuckte rasend vor Wut auf den Boden. Dennoch behielt der Regisseur immer das letzte Wort und entschied die letztendlich gespielte Variante. Allerdings war er auch für Vorschläge von Frau Trinker offen und hörte sich ihre Meinung an. In einer Pause wandte sich Heike Trinker zu uns und erklärte, dass es erst ihre zweite Probe dieser Szene war. Des Weiteren meinte sie, dass es schwer wäre die „unfertige Inszenierung“ mit uns zu teilen, da sie noch verbesserungsfähig und noch nicht ausgereift sei. Dies war deshalb auch eine besondere Herausforderung für die u. a. auch Fernsehschauspielerin, da sie es gewohnt ist ihrem Publikum nur die fertige, fehlerfreie Darbietung zu präsentieren. Wir waren verblüfft, dass Frau Trinker trotz ihrer zweiten Probe den nur leicht modernisierten Text von Schiller fehlerfrei beherrschte. Auf die Frage, ob die Schauspieler nicht mit ihren Texten durcheinander kommen, wenn sie parallel in zwei Stücken spielen müssen, antwortete sie uns, dass man mit den Rollen nicht nur Text verbindet, sondern eine ganze Persönlichkeit, wodurch es nicht zur Vermischung zweier Rollen komme.

Außerdem äußerte sie uns gegenüber, dass es schwer sei einen Monolog zu führen, da es keine Bezugsperson gibt. Hinzu kommt das fehlende Verständnis, über welches sie sich noch klar werden muss, woher die Motivation der dargestellten Figur kommt, so zu denken, handeln und sprechen, wie sie es im Theaterstück tut. Da wir im Vorfeld im Unterricht das Buch „Kabale und Liebe“ behandelt hatten, entwickelten wir schon vorab eine Vorstellung zu den einzelnen Figuren, sodass wir diese mit der Darstellerin verglichen. Unserer Meinung nach verkörpert sie die Rolle der Lady Milford authentisch. Sowohl Aussehen, als auch Mimik und Gestik werden unserem Bild gerecht.

Im Anschluss stellten sich uns Herr Ris und der Schauspieler Mario Gremlich, welcher im Drama den Präsidenten spielt, zu einer Fragerunde zur Verfügung. Dabei fragten wir, ob es sein kann, dass man an einem Schauspieler mehr zu bemängeln hat, als bei einem anderen und woran dies liegt. Sie antworteten uns, dass es nicht daran liege, ob man die Person persönlich mehr oder weniger mag, sondern eher daran, dass man möglicherweise mehr Interesse an einer Figur habe und daher eine klarere Vorstellung von dieser.

Interessant war es mit anzusehen, wie genau der Regisseur auf die Darbietung der Schauspieler achtete. Dies übertraf unsere Erwartung bei weitem. Die intensive Auseinandersetzung zwischen Regisseur und Schauspielern über das konkrete In-Szene-setzen wurde auch immer wieder durch kleinere Scherze gelockert, die ebenfalls dazu dienten, uns zu belustigen. So fiel Ferdinand von einer Leiter und erschreckte damit nicht nur uns, sondern auch seine Schauspielkollegin. Zum Schluss ist ergibt sich als Fazit, dass sich für jeden Interessierten ein Besuch der Theaterproben lohnt: Denn ein solcher Einblick hinter die Kulissen veranschaulicht, wie ein Skript lebendig wird und wie viel Arbeit darin steckt.

Von Janine Mehlem, Saskia Marx und Finn Reinders

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Veröffentlicht unter Aktuell